Montag, 27. Juni 2011

Kapielski


Eine liebe Freundin baut ihr Haus um, wendet das Innere nach außen, unter Beibehaltung des Daches. Der dazugehörige Gatte räumt dabei sein aus beruflichen Gründen erheblich angeschwollenes CD-Regal aus und um (während das maßgeschneiderte und prall gefüllte Bücherregal mit stoischer Ruhe inmitten des Verlustes und Neugewinns von Wänden und Räumen zur tragenden Säule des gesamten Baues wird).
Und trotz zukünftig vergrößerter Wohnfläche ereilt verschiedene CDs das Ausbürgerungsschicksal und sie stranden wie Bootsflüchtlinge an fremden Ufern. Zu mir hat die Strömung und die offenkundig genaue Kenntnis meiner Lesevorlieben das Hör-, Guck- und Nachlesebuch "Abstehende Röhren" von Thomas Kapielski gespült. Es fand sich am Montagmorgen als Gruß zum Wochenbeginn auf meinem Schreibtisch. Wie schön :-) !

Nun ist Kapielski einer der witzigsten und geistreichsten Schreibtischtäter deutscher Zunge. Da bin ich doch schwer irritiert von den Fotos auf Brust und Rücken meines neuen Lese- und Hörschatzes. Das also ist Kapielski? Wie kann einer, der sich als Inbegriff des Mürrischen aus dem Bild schleicht, nur derart zum Lachen reizen? Ich habe zwei Erklärungen: 1. er hat alles Lustige schon aus sich raus getan und für das eigene Gesicht blieb nichts mehr übrig. 2. das ist gar nicht Kapielski sondern sein mürrischer Zwilling und ihre Mutter hat auf dem Sterbebett verfügt "Aber der Junge muss auch mal auf so ein Buch, wenn der Thomas wieder eins macht. Er hat doch sonst nichts!" Letzteres erscheint mir am wahrscheinlichsten ...

Donnerstag, 16. Juni 2011

60 Jahre Rundfunk-Jugendchor Wernigerode – Ehemaligentreffen


Das eigene Abitur in Wernigerode ist mehr als 30 Jahre her und doch stand ich gestern in einem Chor der Ehemaligen auf der Bühne zusammen mit Leuten, die gerade erst oder auch schon vor 50 und mehr Jahren in der Bunten Stadt am Harz Abitur gemacht haben! Und die alle aus den gleichen Gründen am 14. Mai nach Wernigerode gekommen sind: die tolle Zeit der Oberschuljahre, das gemeinsame Singen in diesem unvergleichlichen Chor, auch das Zusammenleben im Internat und das Glück, einem Menschen wie Friedrich Krell begegnet zu sein und von ihm gelernt zu haben, zu feiern!


Beim gemeinsamen Chorkonzert der Ehemaligen und des heutigen Rundfunk-Jugendchores ist mir Eines mit aller Eindringlichkeit bewusst geworden: der Virus des Musizierens, des miteinander und füreinander Singens  grassiert unausrottbar und verführt uns immer wieder zu einem leidenschaftlichen Leben!
Der MDR hat das Konzert aufgezeichnet und bis eben habe ich es mir im Radio angehört. Und bei “Der Mond ist aufgegangen” – dem Schlusslied so vieler Konzerte, Abendsingen und gemeinsamen Feten (das muss man erlebt haben, wenn zu mitternächtlicher Stunde nach einer guten Fete der Chor in der Dunkelheit im Kreis steht und Du Deinen Freunden mit dem “Mond” eine gute Nacht wünschst …) wische ich mir verstohlen ein bisschen Feuchtigkeit aus dem Augenwinkel und denke “Danke, liebe Leute, für eine so schöne Jugend- und Schulzeit …”

Montag, 13. Juni 2011

Konzerte in Heiligenstadt

Für das öffentliche Konzert am Samstag, dem 11. Juni hoffe ich noch auf eine Rezension in der örtlichen Presse. Diese werde ich dann hier auch veröffentlichen. Am Herzen liegt mir jedoch, etwas zu dem Konzert am Freitag davor zu schreiben, als ich für die Schüler der 9. und 10. Klassen des Gymnasiums Bergschule St. Elisabeth gesungen habe. Liebe Leute, ich bin begeistert von diesem Publikum!


Wie können mehr als einhundert Schüler so leise sein, schon bevor das Konzert beginnt! Ich hatte den Eindruck, sie waren genauso gespannt darauf, was jetzt kommt wie ich.  Soviel wohlwollende Neugier, soviel Erwartungsfreude in den Gesichtern! Und dabei hatte ich nun wirklich keine Musik zu bieten, die es mit Tempo oder Lautstärke mit den (vermeintlichen) Hörgewohnheiten der Jugend aufnehmen könnte. Dies war das mit Abstand jüngste Publikum, vor dem ich je gesungen habe. Und diese Jugendlichen brachten mir mit Aufmerksamkeit, Mitschwingen, Mitfühlen und unvermittelten, unverfälschten Reaktionen auf meine Lieder ganz gerade heraus und auf direktem Wege etwas Wichtiges bei: dass mit ihnen zu rechnen ist, wenn es die Sorge um den Mitmenschen betrifft, dass ihnen das Ringen um Authentizität und Bodenhaftung nicht egal ist, dass Liebe, Freundschaft und Vertrauen Werte sind, die ihnen etwas bedeuten. Dieses intensive, unmittelbare Mitgehen hat mich gepackt und durch das Programm getragen. Liedermacher haben keine Zukunft? Offenbar nur bei denen, die noch nie einem zuhören konnten. Der Welt- und Lebensgeschichten erzählende Bänkelsänger, Barde, Singer/Songwriter – wie auch immer – trifft auf ein junges Publikum, das nach dem Echo seiner Geschichten und Erfahrungen im eigenen Leben sucht – und es findet! Danke, liebe Bergschüler, für diese eindrucksvolle Unterrichtsstunde :-)  !

Donnerstag, 2. Juni 2011

Konzert in Ormalingen (Schweiz)

Ormalingen ist von Mitteldeutschland aus eher unscheinbar. Hätten nicht gute Freunde ihren Lebensmittelpunkt dort hin verlegt, wäre es mir wohl für immer unbekannt geblieben. Was wäre mir da entgangen!


Zwar findet man keine unesco-reif aufgepeppte Altstadt aber doch eine interessante Geschichte mit Nachweisen römischer Besiedelung und einer ersten urkundlichen Erwähnung von 1286. Die günstige Lage in einem nicht zu tiefen Juratal beschert Ormalingen eine hohe jährliche Sonnenscheindauer und reizvolle landschaftliche Ansichten.  Wenn ich aber bereit bin, der Lebensqualität in dieser netten Ortschaft fast schon das Prädikat “paradiesisch” zu verleihen, hat das wohl mit etwas noch sehr viel Wichtigerem zu tun. 
Ich bin bei meinem Ausflug nach Ormalingen, um dort ein Konzert mit meinen Liedern zu geben, einer Vielzahl freundlicher, ja herzlicher Menschen begegnet. Ich erlebte Gespräche in großer Offenheit und hoher emotionaler Dichte, sehr persönlich und berührend. Nicht nur, dass die Themen meiner Lieder – und damit meines Lebens – ihr Echo fanden, auch fühlte ich mich über die Rolle des Künstlers hinaus als Gast äußerst herzlich willkommen geheißen und aufgenommen. Ich kann nicht sagen, wie exemplarisch die Ormalinger, die ich kennenlernen durfte, für das Baselbiet, das Jura oder die Schweiz im allgemeinen sind. Aber sie sind eine Zierde für ihren Ort und lassen mich ahnen, welch gute Heimat dieses Fleckchen Erde Menschen sein kann.